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Wie ich Zinedine Zidane kennenlernte und mich meine Italienischkenntnisse vor dem Gefängnis bewahrten

2 Comments 02 Oktober 2015

Hast du schon einmal eine Reise in ein Land gemacht, dessen Sprache du nicht einmal ansatzweise verstanden hast? Erinnerst du dich noch daran, wie du dich dabei gefühlt hast? Sicherlich war es kein schönes Gefühl, oder?

Dann lerne doch die Sprache des Landes! Das ist einfacher als du denkst! Es gibt so viele Möglichkeiten, sich eine Sprache anzueignen. Den klassischen Schulunterricht von früher, der uns alle so geprägt hat und weswegen wir der Meinung sind „Sprachen lernen macht keinen Spaß“, kannst du also getrost vergessen. Stürze dich also in das Abenteuer der Sprachen – mit allen Sinnen.

Sprachenlernen mit Christines buch mit Praxistipps zum Sprachen lernen

Als Gastautorin berichte ich heute deshalb von meinen Spracherfahrungen und gebe damit einen Einblick in meinen Blog erfolgreichessprachenlernen.com und mein Buch „Sprachen lernen – Tolle Tipps und Tricks“.

Wenn du eine Sprache einigermaßen sprechen kannst, kommst du auch aus eher prekären Situationen leichter heraus. Und du machst Bekanntschaften, die du so nicht für möglich gehalten hättest.

In meinem Fall lernte ich Zinedine Zidane kennen. „Was?“, wirst du jetzt sagen, „den berühmten Fußballspieler Zinedine Zidane? Das gibt es doch gar nicht!“ Doch, das gibt es. Und nur weil ich Französisch sprechen konnte, kam ich überhaupt mit ihm in Kontakt.

Aber der Reihe nach: Wir waren in Urlaub in Italien, in einem Hotel in Imola. Es war kein 5-Sterne-Hotel, aber damals hatte nicht jedes Hotel einen Trainingsplatz in Originalmaß. Unseres aber schon, und so waren während der beiden Wochen einmal Juventus Turin und einmal Inter Mailand zu Gast im Hotel. Fußballmannschaften brauchen nun einmal Fußballplätze zum Trainieren.

Ich habe mit Zinedine Zidane dem Fußballstar gesprochenDie berühmten Fußballspieler schotteten sich auch nicht ab wie sonst Prominente, sondern bewegten sich im Hotel wie normale Hotelgäste – und dank meiner Sprachkenntnisse konnte ich ein paar Worte mit Zinedine Zidane wechseln und zumindest ein Autogramm für meinen fußballbegeisterten Ehemann ergattern.

Dann allerdings eskalierte die Situation – und wir wären beinahe im Gefängnis, wohlgemerkt in einem italienischen Gefängnis, gelandet. Unser Sohn nämlich war ebenso begeistert wie mein Mann von den ganzen Spielern und fegte mit seinem Ellbogen einen Marmoraschenbecher vom Tisch. Es gab einen Riesenknall – alle dachten, eine Bombe wäre hochgegangen, und das bei den berühmten Fußballspielern!!!! – und binnen weniger Sekunden waren wir umringt von Polizisten mit Maschinengewehren. Da tat Erklärung not. Also packe ich meine Italienischkenntnisse, die damals nicht so gut waren wie heute, aus und rettete so meine Familie vor dem italienischen Gefängnis und dem letzten Blick von der Seufzerbrücke in Venedig …

Die Seufzerbrücke in Venedig - Mit italienisch kommst du weiter

Im Ernst, natürlich wären wir nicht im Gefängnis gelandet, aber trotzdem: Ohne die sprachlichen Möglichkeiten wäre diese Situation sicherlich nicht so glimpflich für uns ausgegangen. Und der Nebeneffekt ist: Alle Fußballspieler kennen jetzt die Familie Konstantinidis. Das ist doch auch schon mal was.

Du siehst also, wozu Sprachen gut sein können. Und du siehst auch, dass eine Sprache nicht von Grammatik oder theoretischen Strukturen, auch nicht von abgedeckten Vokabellisten und stupide abgearbeiteten Lehrbuchtexten lebt, sondern von der Kultur des Landes, von der Mimik und Gestik, von den Menschen, der Aussprache, den Freundschaften, den kulinarischen Abenteuern und nicht zuletzt von den Erlebnissen im Land selbst.

Kellner

Ich fahre beispielsweise lieber in Länder, deren Sprache ich zumindest ansatzweise sprechen kann, um mich verständigen zu können. Zudem mag ich lieber „einsprachige“ Länder als Länder, in denen man nie weiß, in welcher Sprache man angesprochen wird bzw. in welcher Sprache man Fragen stellen soll. Solche Länder und Regionen sind beispielsweise Belgien, das Elsass oder Südtirol.

Wie also kannst du also deine Sprachkenntnisse auf Reisen nutzen?

•Fahre nicht nach Mallorca, sondern in das spanische Hinterland. Dort gibt es auch schöne Orte zu entdecken, und wenn du Glück hast, triffst du niemanden, der Deutsch spricht. Zudem wedeln dir nicht die Kellner mit den Speisekarten vor der Nase herum, um dich in ihr Restaurant zu locken – und billiger ist es vermutlich noch dazu. So bleibt dir noch ein bisschen Geld übrig, um dir ein bisschen Lesestoff in der Landessprache zu besorgen.

•Der Busfahrer oder die Verkäuferin sind nicht deine Lehrer. Wenn sie aber geduldig sind und mit dir sprechen, nutze jede erdenkliche Gelegenheit und verfalle nicht aus Bequemlichkeit ins Deutsche oder Englische.

•Bist du eher ein Lerner, der Angst davor hat, Fehler zu machen und die Antworten von Muttersprachlern nicht zu verstehen? Dann bereite dich auf die Situationen gut vor. Was kannst du vorab schon tun?

•Du kannst Mind Maps zu bestimmten Redesituationen erstellen, zum Beispiel mit Restaurant-, Einkaufs- oder Themenwortschatz, weitere Informationen findest du hier: http://erfolgreichessprachenlernen.com/2015/09/11/mind-maps-so-kommt-kreativitaet-in-dein-lernen/ 

•Du kannst dir die wichtigsten Sätze – ich nenne sie gerne Notfallsätze – auf einen kleinen Zettel schreiben und in den Geldbeutel stecken. Notfallsätze sind beispielsweise Sätze wie „Ich habe Sie nicht verstanden“ oder „Ich lerne Ihre Sprache, bitte sprechen Sie … mit mir.“ So kannst du den Zettel bei Bedarf hervorholen und kannst wesentlich sicherer in der Fremdsprache agieren, da du ja im Notfall deinen Spickzettel griffbereit hast. Das erspart dir Stress und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass du dich traust, überhaupt in der Fremdsprache zu agieren.

•Du kannst vorher bestimmte Situationen, zumindest gut planbare wie Restaurantbestellungen, als „Trockenübung“ durchspielen, so dass du für den Ernstfall gewappnet bist.

Christophe und ich in Lille - unterwegs mit geringen Italienischkenntnissen

•Lerne auf jeden Fall vorher Vokabeln, diese sind viel viel wichtiger als Grammatik. Was nützen dir die Regeln des Subjonctif im Französischen, die Feinheiten der englischen If-Sätze oder der indirekten Rede im Italienischen, wenn du das Basisvokabular nicht beherrschst? Im Gegenzug aber – und das merkst du immer wieder an Ausländern hier in Deutschland – funktioniert eine Unterhaltung auch dann, wenn du Vokabeln beherrscht, aber viele Grammatikfehler machst. Und manche Fehler sind wirklich charmant!

•Suche dir so viele Sprechgelegenheiten wie möglich! Betrachte jedes Gespräch als kostenlosen Sprachunterricht. Wenn du auf Leute triffst, die nicht mit dir sprechen möchten, macht das nichts, dann suchst du dir einfach jemand Anderen.

•Suche dir unbedingt dauerhafte Kontakte im Ausland, die du dann auch zu Hause weiterführen kannst. So holst du dir deinen Urlaub und damit auch die Sprache immer wieder, am besten jeden Tag, nach Hause und hältst deine Motivation zum Weiterlernen aufrecht. Dann sollte es kein Problem sein, Sprechpartner zu finden, vorausgesetzt natürlich, du pflegst deine neugewonnenen Freundschaften. Und wer weiß, vielleicht möchtest du dich mit deiner Urlaubsfreundschaft ja auch im nächsten Urlaub wieder treffen? Ich beispielsweise habe einen Freund aus Cambrai in Nordfrankreich – wir haben uns schon mehrmals in Paris getroffen, außerdem bei ihm zu Hause in Cambrai, bei uns hier in Bayern und letztes Jahr zum Marathon in Hamburg. Im September waren wir zusammen in Lille und haben dort einen Tag verbracht – er kam aus Paris und ich aus Belgien. Und jedes Mal wenn wir uns sehen, rufe ich seine Mutter an. Das ist eine liebgewonnene Tradition – und das macht auch die Sprache aus!

Du siehst also, Sprache lässt sich wunderbar mit Reisen verbinden – und das auch noch mit viel Spaß. Da haben Pauken und Langeweile keine Chance. Und du musst zugeben, dass du viel mehr von deinem Urlaub hast, denn du kommst so ja viel mehr in Kontakt mit dem Land, den Menschen und der Kultur. Und deswegen fährst du doch ins Ausland, oder?

Viel Spaß dabei wünsche ich dir!

Zur Autorin:

Christine Konstantinidis - Erfolgreich Sprachen lernenIch bin Christine Konstantinidis, Sprachlehrerin und Bloggerin. Ich betreibe den Sprachenblog „Erfolgreiches Sprachenlernen“ unter erfolgreichessprachenlernen.com, habe dieses Jahr ein Buch geschrieben mit dem Titel „Sprachen lernen – Tolle Tipps und Tricks“ und betreue seit einigen Tagen den deutschsprachigen Blog und die Facebook-Seite der Sprachschulseite www.coursefinders.com. Meine Leidenschaften sind die Sprachen, das Lernen und das Thema Lern- und Zeitorganisation.

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2 Comments so far

  1. Dietmar Friedrich sagt:

    Ja liebes Schwesterherz, jetzt kenne ich ja die Geschichte von diesem Fußball-Hotel komplett, das mit dem Zidane wusste ich gar nicht! Aber das kann vielleicht an meinem schlechten Gedächtnis liegen, welches mir auch immer wieder bei den Vokabeln der von mir benötigten Sprachen zum Verhängnis wird. Aber mit der Aussicht, dass ich vielleicht irgendwann Shakira in der Hotel Lobby treffen werde, hast Du mir schon wieder ganz viel Mut gemacht ;o)
    Liebe Grüße, Dietmar


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